Andacht zum letzten Sonntag nach Epiphanias


Eigentlich sollte an diesem Sonntag in unserer Kirche ein besonderer Gottesdienst stattfinden: ein Gottesdienst zum Abschluss der Weihnachtszeit. Die festliche Weihnachtsbeleuchtung hätte noch einmal die Kirche erhellt, Weihnachtsmusik wäre erklungen und das Krippenspiel, das die Kinder nicht aufführen konnten, wäre doch noch zu sehen gewesen. Leider lassen die derzeitigen Beschränkungen dies nicht zu. Der letzte Sonntag nach Epiphanias gehört tatsächlich zur Weihnachtszeit dazu, auch wenn davon im Alltag nicht mehr viel zu bemerken ist. Die Weihnachtssachen sind größtenteils bereits wieder in Kartons verstaut und die meisten Weihnachtsbäume sind längst aus den Wohnungen geräumt. Nur hier und dort sieht man letzte einsame Sterne leuchten. Sie erinnern zaghaft daran: Es ist immer noch Weihnachten!
Das Lukasevangelium erzählt im 2. Kapitel, wie sich Josef und Maria 40 Tage nach der Geburt mit dem kleinen Jesus auf den Weg nach Jerusalem machen, um die jüdischen Vorschriften nach der Geburt eines Kindes zu erfüllen. Im Tempel begegnen ihnen der alte Simeon und die Prophetin Hanna, die in Jesus den von Gott versprochenen Retter erkennen. Im frühen Christentum entwickelte sich zu dieser Geschichte ein eigenes Fest. Später wurde es am 2. Februar gefeiert, war oftmals mit Lichterprozessionen verbunden und bekam deshalb den Namen „Lichtmess“. Heutzutage erinnert nur noch wenig an diesen Festtag. Für manche ist es der heimliche Frühlingsanfang. Angeblich werden die Tage ab diesem Zeitpunkt spürbar länger. Laut hundertjährigem Kalender entscheidet sich an diesem Tag wie weit das Frühjahr noch entfernt ist. Und in den USA und in Kanada wird versucht, am Verhalten von Murmeltieren die Länge des verbleibenden Winters zu erkennen.
Ich lade alle ein, die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar hin ganz bewusst ausklingen zu lassen. Erfreut Euch noch ein bisschen an der verbliebenen Weihnachtsdekoration, genießt die letzten Weihnachtsnaschereien und lasst das Licht der Weihnacht noch einmal in Eure Herzen hinein- und in die Welt hinausscheinen.

Arend Fritzsch, Religions- und Gemeindepädagoge im Kirchenkreis Elbe-Fläming