Gedanken zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl


Am 9. Mai jährt sich der 100. Geburtstag von Sophie Scholl. Gemeinsam mit ihrem Bruder Hans engagierte sie sich in der Widerstandsgruppe „Weißen Rose“ gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Die Gruppe verfasste, druckte und verteilte Flugblätter, in denen die Verbrechen des Regimes deutlich benannt wurden. Sofie Scholl gehörte zu den Menschen, die hinschauten und das herrschende politische System in Frage stellten. Dafür bezahlte sie mit ihrem Leben. Die Gruppe wurde beobachtet, verraten und verurteilt. Sofie Scholl war keine 22 Jahre alt, als sie am 22. Februar 1943 hingerichtet wurde.

Hans und Sofie Scholl schauten nicht weg, sie handelten, auch aus ihrer christlichen Überzeugung heraus. Sie taten dies zu einer Zeit, in der viele, (bis auf wenige Ausnahmen) versagten. Auch die Kirche hat damals, in große Teilen versagt, indem sie sich dem Nationalsozialismus lange Zeit nicht in den Weg stellte. Die Erinnerung an couragierte Menschen wie Sofie Scholl und die Weiße Rose hilft, aus dieser Schuld zu lernen.

Nie wieder dürfen Christenmenschen dulden, wenn Leben und Menschenwürde mit Füßen getreten werden. Nie wieder dürfen wir tatenlos mit ansehen, wenn Rassismus und fanatischer Nationalismus Freiheit und Frieden bedrohen. An diesem Sonntag möchte ich auch an ein Wort des Propheten Micha erinnern: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Der Prophet Micha war ein ganz normaler Bürger, ein Bauer und Viehzüchter und er war höchst politisch. Bis heute haben seine Worte nicht an Aktualität eingebüßt. Wir müssen nach wie vor Frage nach der Kluft zwischen Arm und Reich stellen. Die Frage nach Gerechtigkeit im Land, in der Welt. Die Frage nach Frieden zwischen den Völkern. Politisches Handeln, auch der Widerstand, braucht Gewissen. Wir sollen uns mit hellwachem Geist und offenem Herzen für Menschen engagieren, die uns hierzulande und weltweit anvertraut sind. Als Christenmenschen haben in Wort und Tat das Recht auf Leben zu achten und es notfalls widerständig und energisch einzuklagen.


Rebekka Prozell, Pfarrerin in Jerichow

 

Der Evangelische Posaunendienst in Deutschland (EPiD) bietet die Andachten aus seinem Andachtsbuch 2021 für alle Bläserinnen und Bläser zum Download an. In diesem Jahr gibt es jede Woche einige Gedanken zu einem ausgewählten Psalm der Bibel mit einem dazu passenden Liedvorschlag aus dem Posaunenchoralbuch: Downloads -> Andachten.