Himmel Erde Luft und Meer

Himmel, Erde Luft und Meer... Wir bläser lieben das Vorspiel aus dem Gloria. Aber singen wir das Lied, achten wir auf den Text? Ein geistliches Wort von LPW Matthias Schmeiß

Himmel, Erde, Luft und Meer Im August des Jahres 1856, fanden zwei Steinbrucharbeiter beim Kalkabbau in einem wildromantischen Tal in der Nähe von Düsseldorf die Überreste eines Skeletts. Forscher begutachteten die Knochen und stellten fest, dass dies die fossilen Überreste früher menschlicher Vorfahren waren, die in der Eiszeit lebten. 1864 erhielt dieses Urzeitwesen nach dem Fundort seinen Namen: Neandertaler. Doch wie kam das Tal zu diesem Namen? Etwa zweihundert Jahre zuvor, 1650, wurde in Bremen Joachim Neumann geboren. Einer Mode seiner Zeit folgend übersetzte er seinen Nachnamen ins Griechische und nannte sich fortan Neander. Er studierte Theologie, konnte aber mangels Geldes das Studium nicht abschließen. So wurde er Hauslehrer in Frankfurt und später, 1674, Hilfsprediger und Rektor der Lateinschule in Düsseldorf. Daneben sammelte er einen Kreis frommer Gläubiger um sich und hielt Andachten im Haus und auch im Freien. Dazu lud er seine Anhänger gern in das malerische einsame Tal, durch das das Flüsschen Düssel führt, ein. Seine Freunde nannten es später Neandertal. Hier konnte er unbeobachtet seine kleine Gemeinde unterweisen. Aber das blieb nicht ohne Folgen, die Düsseldorfer Kirchenverwaltung belegte ihn mit Predigtverbot. Neander suchte sich eine neue Stelle, kehrte zurück nach Bremen und starb dort mit nur 30 Jahren.

Kurz vor seinem Tod veröffentlichte Joachim Neander eine Sammlung mit seinen Liedern. Den Erfolg dieser Sammlung und das nachhaltige Interesse an seinen Liedern hat er nie erfahren. Heute sind sechs davon im Evangelischen Gesangbuch vertreten. Zu den bekanntesten gehören "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", "Tut mir auf die schöne Pforte", "Wunderbarer König" und "Himmel, Erde, Luft und Meer", das mit der Melodie des Frankfurter Kapellmeisters Georg Christoph Strattner den Weg in das Gesangbuch (EG 504) gefunden hat.

Ein "Reise-Lied zu Land und Wasser", so überschrieb Joachim Neander sein 1680 entstandenes Lied "Himmel, Erde, Luft und Meer". Gotteslob in der Natur, Lob des Schöpfers und Lob der Schöpfung - das waren die großen Themen dieses Liederdichters. Und das, obwohl er in eine düstere Zeit hineingeboren wurde. Der 30-jährige Krieg war gerade zu Ende gegangen. Die Folgen des Krieges, Verwüstung, Krankheit, Seuchen, Not und bittere Armut belasteten die Bevölkerung schwer. Und auch Neander kannte die Not durch den frühen Verlust der Eltern. In diese Situation hinein schreibt er Lob- und Danklieder. Er ruft in seinen Texten zum Lobe Gottes auf, nennt als Gründe die Erschaffung der Menschen, Gottes Schöpfung und den Erhalt des eigenen Lebens. Gott ist Grund zum Lob und Anlass zur Freude, wie es der christliche Glaube bekennt.

1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

Die erste Strophe des Liedes ist ein Rundumblick auf Gottes Schöpfung. Die Natur ist keine Laune, kein Glücksfall der Evolution, sondern jedes Detail ist Gottes Werk. Alles: Himmel, Erde, Luft und Meer spiegeln Gottes Handeln wider. Am Ende der Strophe wird dies mit der Aufforderung zum Singen und Loben verbunden. Es ist eine Aufforderung an die Seele, also an mich selbst, denn der Mensch, ich selbst bin Teil der Schöpfung. Eine einfache Melodie unterstützt den Text des Liedes und lässt uns gerne einstimmen. Vier kurze Melodiebögen verdeutlichen musikalisch die vier genannten Schöpfungs¬kategorien Himmel, Erde, Luft und Meer. In kleinen Tonschritten schwingt sich die Melodie bis zur Oktave nach oben, um schließlich wieder beim Grundton anzukommen. Eine in sich geschlossene Melodie, da gibt es keinen Missklang. Denn Gott hat seine Schöpfung gut gemacht.

2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht; auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall. Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

4. Seht, wie fliegt der Vögel Schar in den Lüften Paar bei Paar. Blitz und Donner, Hagel, Wind seines Willens Diener sind.

5. Seht der Wasserwellen Lauf, wie sie steigen ab und auf; von der Quelle bis zum Meer rauschen sie des Schöpfers Ehr.

Die Strophen zwei bis fünf beginnen jeweils mit dem Wort "Seht". Sie fordern uns also zum Betrachten und Staunen auf. Die in der ersten Strophe genannten vier Schöpfungskategorien Himmel, Erde, Luft und Meer werden nun einzeln erklärt: Sonne, Mond und Sterne in der zweiten Strophe gehören zum Himmel. In der dritten Strophe sind Wälder, Felder und Tiere sichtbare Zeichen von Gottes Wirken auf der Erde. Die Luft mit den Vögeln und den Naturgewalten ist das Thema der vierten Strophe und schließlich in der fünften Strophe das Wasser von der Quelle bis zum Meer.

Und es sind nicht immer nur die großen Dinge, die uns zum Staunen bringen. Wenn wir mit offenen Sinnen durch Gottes Schöpfung gehen, entdecken wir bestimmt auch den kleinen bunten Käfer auf dem Blatt oder wir hören auf das Zirpen einer Grille im Sommer. Oder wir genießen das Gefühl, wenn uns am Strand die kleinen Sandkörner durch die Hand rieseln. Alles ist Gottes Werk. Die sechste Strophe schlägt schließlich den Bogen zurück zur ersten, denn sie nimmt die Seele wieder in den Blick. Sie ist ein Gebet um einen bleibenden Eindruck, um eine Erinnerung, dass Gott uns Menschen erschaffen hat nach seinem Bilde, dass er uns seine Schöpfung anvertraut hat, sie zu nutzen und zu bewahren.

6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar! Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

Dem Liederdichter Joachim Neander geht es nicht nur um bloße Naturromantik. Er sieht in der Natur Gottes schöne und vollkommene Schöpfung. Wie in einem Bilderbuch stellt er seinen Zeitgenossen damals im geschundenen und verwüsteten Deutschland seiner Tage dies vor Augen. Damit kann er unsere Gedanken auch noch heute bereichern. Uns, denen das Klagen leichter fällt als das Loben, uns, die wir ja immer genau wissen, was nicht gut ist und warum es eigentlich allen anderen besser geht, als uns selbst. Uns ruft er zu: "Schau nicht immer auf das Kaputte und Zerstörte. Lass dich nicht von dem Negativen und Dunklen faszinieren. Blicke auf das Einfache: nämlich Gottes Gegenwart in seiner Schöpfung." Lassen wir uns gerade jetzt im Sommer von Gottes Schöpfung umfangen und dankbar darin seine Güte und Liebe erkennen.

 


 

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Losung & Lehrtext

17.08.2017
Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. Paulus schreibt: Als wir zuvor gelitten hatten und misshandelt worden waren in Philippi, wie ihr wisst, fanden wir dennoch in unserm Gott den Mut, bei euch das Evangelium Gottes zu sagen in hartem Kampf.
Psalm 34,20 1.Thessalonicher 2,2

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